Thüringens größte Galerie
Die Künstler laden das Publikum vom 10. bis 12. November zur fünften Messe artthuer ein
Durchschnittlich 7200 Euro Einkommen weist die Künstlersozialkasse pro Mitglied jährlich aus. Auch die meisten der etwa 650 bildenden Künstler in Thüringen kämpfen um ihre Existenz und vermarkten sich selbst, so zur fünften Kunstmesse artthuer vom 10. bis 12. November in der Erfurter Thüringenhalle.
"Gerade wegen der sozialen Situation aber auch ob des bisher beachtlichen Publikumsinteresses hatten wir für 2006 erneut wesentlich mehr Bewerbungen als Stände", so Elvira Franz, Geschäftsführerin des diese Messe ausrichtenden Verbandes Bildender Künstler Thüringen. Mit von der Partie werden neben 117 Verbandsmitgliedern acht Gäste sein. Es wurden 545 laufende Meter mit Kunst sowie ein Messecafé vorbereitet. Insgesamt gibt der Freistaat Thüringen nur 0,0027 Prozent seines Haushaltes für die Bildende Kunst aus, und auch die mit 7,75 Millionen Euro ausgerüstete Thüringer Kulturstiftung vermag nur ihren Beitrag zu leisten. Sie förderte u.a. Projekte des Kunst- und Kulturvereins Zella-Mehlis, des ACC Weimar oder den die Sprache visualisierenden Erfurter Matthias Geitel. Mögliche Aufträge für bildende Künstler im öffentlichen Raum lassen 2006 in Thüringen zwei nur auf eine Handvoll Bewerber beschränkte Ausschreibungen für auszugestaltende Krankenhäuser erhoffen. Negativ wirkt sich außerdem aus, dass kommunale Galerien u.a. in Ilmenau schlossen. Ein geförderter Kulturhof wie der Krönbacken in Erfurt ist leider die Ausnahme. Da die Künstler nicht mehr genug unmittelbar verkaufen können, erhoffen sie sich also einiges von der artthuer, deren Schirmherr Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz ist. Zu den Sponsoren der dreitägigen Veranstaltung gehört neben dem Sparkassen- und Giroverband, der SparkassenVersicherung und der Stadt Erfurt auch die Thüringer Allgemeine. Wobei den Messepreis die SparkassenVersicherung finanziert, die seit 1993 mit ART-regio beispielhaft die Kultur unterstützt. Allein in diesem Jahr sind es mehr als 20 Förderprojekte. Was erwartet den Besucher ab Freitag? Elvira Franz: "Beiträge aus allen Genres, von Malerei, Grafik, Plastik und Kunsthandwerk bis hin zu Videoarbeiten. Es ist eine unkomplizierte Gelegenheit, zu kaufen, sich zu informieren und neue Kontakte zu knüpfen." Darüber hinaus will die Messe wieder eine Edition anbieten, die bei neun Euro beginnt und lädt zu Aktionen ein bei Christel Schönes Modetheater "Gnadenlos chic" bis zu Klanginstallation und Lichtperformance. Für die Jüngsten tritt der Zirkus "Talifan" auf und öffnet die Weimarer Malschule ihr mobiles Atelier. Auch haben die Künstler am Sonntag, 14 Uhr, eine Kunstauktion für das bei einem Brand teilweise zerstörte Haus Dacheröden in Erfurt vorbereitet sowie einen Plakatwettbewerb zum Kulturabbau.
(Otto Rudolph)