Verführerisch. Ab heute lockt die 5. artthuer: 124 Künstler freuen sich auf neugieriges Publikum
Die Fahnen sind aufgezogen und Straßenbahnzüge werden großflächig für Thüringens größte Galerie, für ein Fest der Kunst, das in den neuen Bundesländern einmalig ist: die artthuer 2006. Zur 5. Kunstmesse laden 124 Künstler von heute an bis Sonntag in die Erfurter Thüringenhalle ein.
Solche Messen werden fraglos immer wichtiger ob zunehmender Existenzängste. Denn nur die wenigsten der rund 350 im Verband Bildender Künstler Thüringens registrierten Mitglieder können von ihren Werken leben und säßen daher ohne einen Partner mit festem Einkommen auf dem Trockenen. Wohl dem, der über ein Stipendium verfügt oder lehren darf. Besonders problematisch wird es bei den über 30-Jährigen, die häufig aus den Förderungen herausfallen. Nicht von ungefähr regte der VBK einen Plakatwettbewerb zum Thema Kulturabbau an, dessen beste Einsendungen an den Stirnwänden der Halle zu sehen sind. Nicht jeder vermag es so zu sehen wie der in Gorsleben bei Bad Frankenhausen arbeitende Maler, Grafiker und Bildhauer Tim Kregel (Jahrgang 1957), der 2003 zu den Landesstipendiaten gehörte: "Ich bin ganz bewusst Künstler geworden und weiß, worauf ich mich damit eingelassen habe." Zur artthuer ist er mit seinen Skulpturen und Malereien am Stand D 38 zu finden. Während er sowie Marita Kühn-Leihbecher (G 65), Marion Walther (M 115) oder Konstanze Trommer (L 110) wiederholt zur Messe kamen, sind 16 Prozent erstmals dabei und 23 zum zweiten Mal. Wobei das Durchschnittsalter der Künstler bei 48 Jahren liegt. Am Stand I 87 präsentiert sich Mandir Karamol aus der Kommune Zschachenmühle mit seinen Schrottfiguren. "Ich habe unter anderem den Grashüpfersprung und die Korbfrau mitgebracht und hoffe, dass sich für die eine oder andere ein Käufer findet. Der Preis ist wie immer Verhandlungssache." Es gehört zu den Vorzügen einer solchen Veranstaltung, das eben Messepreise gefordert werden. "Zusätzlich haben wir ja noch unsere Messe-Edition. 49 Künstler bieten Grafiken und Multiples an, die zum absoluten Vorzugspreis von 9 bis 99 Euro zu haben sind", so Verbandssprecher Klaus Nerlich, der am Stand B 16 Zeichnungen, Fotografien und Fotografiken zeigt. Eine weitere Kaufmöglichkeit ist die Auktion am Sonntag um 14 Uhr. Dazu haben über 40 Künstler kostenlos Arbeiten zur Verfügung gestellt, deren Erlös dem bei einem Brand schwer beschädigten Erfurter Haus Dacheröden zugute kommt. Malerin und VBK-Geschäftsführerin Elvira Franz: "Neben dem Sehen und Kaufen von Malerei, Grafik, Plastik, Fotografie und Kunsthandwerk oder Videoarbeiten geht es bei den drei Tagen besonders auch darum, neue Kontakte zu knüpfen und sich zu informieren." Beispielsweise über das Schaffen der Malerin, Grafikerin und Bildhauerin Edel Vostry am Stand I 88. Sie schuf ihr großformatiges Malprojekt der 12 Dienerinnen mit starken und stolzen Frauen, die sich schützen aber durchaus verletzbar sind. Da der Freistaat Thüringen nur 0,0027 Prozent seines Haushalts für die Bildende Kunst ausgibt, ist der VBK der SparkassenVersicherung dankbar, dass sie den Messepreis (5000 Euro) finanziert, den eine Jury morgen vergeben wird. Zu den Förderern der mehr als 60000 Euro teuren Schau gehört auch die Thüringer Allgemeine. Während der Messe erwarten die Besucher auch das Modetheater "Gnadenlos chic", ein Messekino und Videos von Studenten der Bauhaus-Universität Weimar, die "Kinderkiste", Darbietungen von "Tasifan" sowie ein Messecafé. Mit Informationsständen warten neben dem VBK auch das Kulturwerk und der Bund Thüringer Kunsthandwerker auf. Und in die Geheimnisse des Grafikdrucks führt Ernst Zimmermann am Stand K 98 ein. Neugier also ist mitzubringen, auch für den Stand des Kunst- und Käsehofes Görbitzhausen (H 79), der zehn (essbare) Käseskulpturen mitbringt...
(Wolfgang Leissling)